Negativzinsen: Das sind die Ursachen und Hintergründe

Bei einer Bank Zinsen zu bezahlen, wenn man dort Geld anlegt. Das klingt aus Sicht vieler Sparer zunächst einmal grotesk. Für die Volksbank Freiburg Anlass genug, die z­­­entralen Gründe vieler Kreditinstitute für diese Maßnahme zu erläutern.

Alles begann Ende 2014 im beschaulichen Schmölln in Thüringen. Als wohl erste Bank in Deutschland erhob die dortige Skatbank Negativzinsen auf Tagesgeldkonten ihrer Privatkunden ab 500.000 Euro. Knapp fünf Jahre später belegt eine Umfrage des journalistischen Finanzportals biallo.de, dass nunmehr fast 20 Prozent der befragten deutschen Geldhäuser Negativzinsen oder zumindest sogenannte Verwahrentgelte ab einem gewissen Kontostand ihrer Privatkunden verlangen. Tendenz steigend.

Indes ist die Akzeptanz für Negativzinsen auf Seiten der privaten Sparer erwartungsgemäß gering. Eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag des Vermögensverwalters Flossbach von Storch unterstreicht dies eindrucksvoll. Würden alle Banken Deutschlands zugleich Negativzinsen einführen, zögen es rund 50 Prozent der insgesamt 600 Befragten in Erwägung, ihr Geld bar abzuheben und anderweitig aufzubewahren. Für weitere 40 Prozent käme eine risikofreudige Anlagealternative in Frage. Dazu später mehr.

Die Rolle der EZB-Strafzinspolitik

Um zu verstehen, woher die Negativzinsen für Spareinlagen von Privatleuten kommen, ist eine Betrachtung der volkswirtschaftlichen Ebene unerlässlich. Denn im Kern geht es bei der Thematik um ein dreiseitiges Abhängigkeitsverhältnis von Europäischer Zentralbank (EZB), den Kreditinstituten sowie den privaten Sparern. Die EZB ist dabei das Zünglein an der Waage. Seit dem Jahr 2014 verlangt die Zentralbank nämlich von allen Geschäftsbanken Strafzinsen, wenn diese überschüssige Bankeinlagen bei ihr parken.

Erst Mitte September 2019 hat die EZB ihren Einlagezins für Banken von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent verschärft. Damit wollen die Währungshüter Banken dazu bewegen, mehr Kapital an Verbraucher und Unternehmen weiterzugeben, um so die Konjunktur zu beflügeln. Eine Maßnahme mit weitreichenden Konsequenzen, denn die hieraus resultierende Sonderbelastung der Geldhäuser ist enorm.

Alleine im Jahr 2018 bezahlten die deutschen Banken 2,4 Milliarden Euro an Negativzinsen an die  EZB – alle europäischen Banken zusammen gar 7,5 Milliarden Euro. Etwa ein Drittel der Belastungen aus dem negativen Einlagenzins im Euroraum werden folglich von den deutschen Kredithäusern gestemmt. Zugleich sehen sich die Geldhäuser der anhaltenden Niedrigzinspolitik der EZB ausgesetzt. Deren Leitzinssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte taxiert dabei konstant auf dem Rekordtiefstand von null Prozent.

Das einstige Kerngeschäft vieler Banken, nämlich dass sie mehr Zinsen für Kredite kassierten, als sie Sparkunden auf deren Einlagen zahlten, ist damit endgültig Geschichte. Ein Umstand, der nicht nur die Wirtschaftlichkeit der Branche bedroht, vielmehr stellt er zahlreiche Bankhäuser vor existenzielle Herausforderungen.

Hinzu kommen der ohnehin schon starke Wettbewerb sowie anhaltende, konjunkturelle Schwankungen. Um all diesen Erschwernissen wirtschaftlich zu begegnen, sehen viele Banken aktuell keine andere Möglichkeit als negative Einlagezinsen ab einem gewissen Saldo ihrer Geschäftskunden und vermehrt auch ihrer Privatkunden zu erheben. Kurzum: Sparer bekommen mittelbar und in stark abgeschwächter Form die Zinsbelastung ihrer Hausbank durch die EZB zu spüren.

Fakt ist …

… dass deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren eine negative Rendite aufweisen. Das ist ein wichtiger Indikator für das anhaltend geringe Zinsniveau im Land.

 

Quelle: Finanznachrichtenagentur Bloomberg

Status Quo: die Zins-Konditionen der Volksbank Freiburg

Auch die Volksbank Freiburg bleibt von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und dem immer weiter sinkenden Zinsniveau der EZB nicht unberührt. Seit Februar 2017 berechnet die Volksbank für hohe, aus überschüssiger Liquidität geparkte Einlagen von Firmenkunden und Großanleger Verwahrentgelte von minus 0,40 Prozent. Der Freibetrag liegt derzeit bei 750.000 Euro. Dadurch bezahlen momentan lediglich 0,1 Prozent der Kunden Verwahrentgelte. Dementsprechend trägt die Volksbank aktuell den anfallenden Negativzins für einen Großteil ihrer Kunden. Dies ist auf lange Sicht kein tragfähiges Geschäftsmodell. Deshalb wird sie künftig bei deutlich mehr Kunden Negativzinsen erheben müssen.

Für Sparer gibt es allerdings interessante Alternativen zu Sparbuch, Girokonto oder Tagesgeld. Sie müssen sich nicht einfach damit abfinden, dass sie keine Zinsen für ihr Guthaben erhalten. Die Volksbank empfiehlt, das Gespräch mit dem Berater zu suchen und eine Umschichtung von Geldern in rentablere Anlageformen mit vertretbaren Risiken zu erwägen. Denn bereits heute ist für die Volksbank das Optimieren von Vermögen zur Vermeidung von Negativzinsen ein wichtiger Bestandteil in den Beratungsgesprächen.

Hierzu steht die Volksbank ihren Kunden mit ihrer individuellen und ganzheitlichen Beratung zur Seite, die bereits zum zehnten Mal von Focus Money ausgezeichnet wurde. (Siegel 10-Jahres Testsieger)

Bei weiteren Fragen nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf – oder Sie vereinbaren gleich einen Beratungstermin online.